AUF DEN SPUREN GOTTLIEB DAIMLERS

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ERSTES VIERRÄDRIGES AUTOMOBIL DER WELT

Wir schreiben das Jahr 1986. Eine neue Erfindung wird die Welt verändern. Erstmalig präsentiert der im beschaulichen Schorndorf geborene Gottlieb Daimler einen fahrenden Wagen ohne Pferde –  seine „Motorkutsche“ mit dem von ihm erfundenen schnelllaufenden Benzinmotor. Dieser Motorwagen gilt als das erste vierrädrige Automobil der Welt. Mit Carl Benz, der zeitgleich einen dreirädrigen Motorwagen konstruierte, gelten Daimler und Benz als die Pioniere des Automobilbaus am Ende des 19. Jahrhunderts.

Gottlieb Daimler

Gottlieb Daimler, 1834 - 1900

BIBELVERS ZU SEINER KONFIRMATION

„Bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist.“

2. Tim. 3, 14

Gottlieb Daimler wuchs in einem pietistisch geprägten Elternhaus in Schorndorf auf. Im Frühjahr 1848 wurde er in der Schorndorfer Stadtkirche konfirmiert. Als Konfirmationsspruch wurde ihm der Bibelvers aus 2. Tim. 3, 14 mitgegeben.1 Im Vers 16 heißt es dort weiter: „Denn die Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass der Mensch Gottes vollkommen sei, zu allem guten Werk geschickt.“

LEBEN ZWISCHEN PIETISMUS UND LIBERALER THEOLOGIE

Dass „die Schrift von Gott eingegeben“ ist, wurde zur Zeit des jungen Daimlers von liberalen Theologen vehement bekämpft. Allen voran war es David Friedrich Strauß, der 1835 mit seinem Buch „Das Leben Jesu“ die Entmythologisierung der Bibel und der Heilsgeschichte propagierte. Dieses zweibändige Werk mit über 1.400 Seiten wirkte in ganz Europa „wie ein schreckliches Erdbeben“ und wurde von Kritikern als „das meist verdorbene Buch“ bezeichnet, „das die Hölle jemals aus ihrem Rachen spuckte“.2

Während es innerhalb der Kirche und an den Universitäten zur Zeit des jungen Daimlers als schick und wissenschaftlich galt, die göttliche Herkunft der Bibel in Frage zu stellen, prägte in Schorndorf der Pietismus das bürgerliche und kirchliche Leben.3 Der damalige Schorndorfer Spezialsuperindendent (heute Dekan) Friedrich August Baur, vermerkte in seinen Visitationsberichten: „Der Pietismus ist nach Umfang und Einfluss von Bedeutung, er ist für die bürgerliche und kirchliche Gemeinde eine entscheidende Kraft“. Auch der junge Daimler kannte die pietistischen „Stundenleute“, an deren wöchentlichen Versammlungen 200 Bürger (bei einer Stadtbevölkerung von damals 4.000) teilnahmen.

SEINE KINDER BESUCHEN PIETISTISCHE SCHULE

Angetan vom Fleiß und der Gewissenhaftigkeit seiner frommen Landsleute vertraute Daimler später die Erziehung seiner Töchter pietistischen Einrichtungen an. Es war ihm wichtig, „dass jedes seiner Kinder religiös erzogen wird und sich an Gottesdiensten und Kirchenfeiern beteiligt“.4

Die pietistischen Schulen galten damals als sicherer Schutzwall gegen die zersetzenden Einflüsse der modernen Theologie, welche die menschliche Vernunft über Gott stellte. Die Töchter Daimlers waren im pietistischen Internat in Königsfeld im Schwarzwald untergebracht.

SEIN BEZUG ZUM CHRISTLICHEN GLAUBEN

Die geistliche Haltung seines Elternhauses, in dem Daimler aufwuchs, wird sichtbar in dem, was seine Großmutter Wilhelmine (gest. 9. Juli 1875) einst an Büchern hinterlassen hatte: Zwei Gesangbücher, eine Bibel und ein „Paradiesgärtlein“, zwei Predigtbücher sowie drei Gebetsbücher, die von verschiedenen pietistischen Pfarrern verfasst waren.

Welche geistlichen Impulse Gottlieb Daimler aus seiner Heimatstadt Schorndorf in die „weite Welt“ mitnahm, wissen wir nicht. Seine Arbeit und Studien führten ihn nach Frankreich und England. Heftige Enttäuschungen mit wichtigen Geschäftspartnern blieben ihm nicht erspart. Mitten in einer kritischen Situation seines Lebensweges schrieb er am 15. März 1872 an seine Frau Emma:

„In solchen Fällen giebt es für uns doch Niemand, der uns besser rathen kann, als der im Himmel wohnet, zu dem wir unsere Blicke aufwärts richten sollen.“

Gottlieb Daimler Brief

Handschriftlicher Brief Gottlieb Daimlers an seine Frau Emma vom 15.03.1872

SEIN GRABSTEIN

Am 6. März 1900 starb Gottlieb Daimler in Bad Cannstatt bei Stuttgart und wurde dort auf dem Uff-Kirchhof beerdigt. Auf seinem Grabstein ist „Psalm 37, 6“ eingemeißelt.

Die Verse 1-7 des Psalms 37 lauten:

„Entrüste dich nicht über die Bösen, sei nicht neidisch auf die Übeltäter. Denn wie das Gras werden sie bald verdorren, und wie das grüne Kraut werden sie verwelken. Hoffe auf den Herrn und tu Gutes, bleibe im Lande und nähre dich redlich. Habe deine Lust am Herrn; der wird dir alles geben, was dein Herz wünscht. Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht und dein Recht wie den Mittag. Sei stille dem Herrn und warte auf ihn. Entrüste dich nicht über den, dem es gut geht, der seinen Mutwillen treibt.“

QUELLENNACHWEISE

Die Inhalte dieses Abschnitts sind dem Beitrag „Das Wort Gottes im religiösen Umfeld von Gottlieb Daimler“ von Martin Landmesser entnommen, der 2013 im Mitteilungsblatt der Evangelischen Karmelmission e.V. im Heft 01/13 veröffentlicht wurde. Dort wiederum wird auf die folgenden Quellen verwiesen:

1 Rolf Scheffbuch: „Pietismus an Rems und Murr“. Vortrag gehalten am 17. Mai 1990 – erschienen in: Schriftreihe „Typisch im Rems-Murr-Kreis – Wissenswertes über Struktur, Wirtschaft, Kultur und Geschichte“, Waiblingen 1990; Paul Siebertz: Gottlieb Daimler, ein Revolutionär der Technik, S. 292, Stuttgart 1950.

2 The Christian Spectator, Bd. VII, S. 367, London 1866.

3 Landeskirchliches Archiv Stuttgart, A29-4082 (zitiert bei Rolf Scheffbuch: Das kirchliche Schorndorf um die Mitte des 19. Jahrhunderts – Ein Beitrag zum Daimler Gedenkjahr 1984, Schorndorf 1984).

4 Paul Siebertz: Gottlieb Daimler, ein Revolutionär der Technik, S. 301, Stuttgart 1950.